Die Geschichte der Kirche Eggiwil

Im Dezember 1632 begleitete der Landvogt von Signau den Berner-Münster-Pfarrer Dekan Schmid ins Eggiwil, wo dieser hohe Herr zur Einweihung der neu erbauten Kirche die Festpredigt zu halten hatte.

Die Kirche war im Auftrag der Gnädigen Herren als Geschenk an die Eggiwiler gebaut worden, um der Ausbreitung der „täuferischen Irrlehre“ entgegenzutreten. Die Pläne für den Kirchenbau hatte der Berner Münster-Baumeister Daniel Heinz entworfen. Der Grundstein der Kirche wurde am 16. Mai 1630 gelegt. Die Kosten wurden von den Gnädigen Herren übernommen und vermutlich mit Geldern bezahlt, die aus dem Verkauf von Höfen und Gütern stammten, deren täuferisch gesinnte Besitzer zuvor enteignet wurden. Mit der Überwachung des Baus wurde der Landvogt von Signau betraut, der auch die Handwerker und sonstigen Hilfskräfte zu entschädigen hatte, wobei sich die Bauherren nicht knauserig zeigten. So sorgte der Landvogt auch für Speise und Trank. Fässer voll „Wyn“ wurden von Bern ins Eggiwyl geführt.

Auf dem Bauplatz stand eine Scheuer. Daniel Mann und Peter Peter mussten sie abbrechen und das Holz zersagen und rüsten. Man brauchte dieses später zum Kalkbrennen. Schon 1627 bekamen „Meister Andres Aeschbacher und syne Gespanen“ den Auftrag, „130 Mütt Kalch zum Kilchenbouw zu brennen, die Steynen zesammen ze läsen und den Kalchofen ze machen“. Zum Bauen brauchte man „Duffsteine“. Sechzig Fuder wurden gebrochen und zersägt.

Peter und Ueli Peter wurden „verdinget, das Pfullment (Fundament) ze graben“. Steinhauer „Meister Hanns Ysenmann“ und sein Bruder wirkten als Baumeister. Sie waren katholischen Glaubens und gingen nach Marbach zur Beichte. (Welch erfreuliche Toleranz – hundert Jahre nach Einführung der Reformation.) Fünfzig Stück „Holltz zu dem gerüst“ lieferte Ulli Galli vom Giebel. Das Balkenwerk zum Dachstuhl errichtete Zimmermeister David zur Matten von Bern mit seinen Gesellen. Meister Max Grob deckte die Dächer von Kirche und Turm mit Schindeln.  Melchior Mor, „der Bergherr vom Oberhasli“, lieferte 80'000 „Tachnegell“, die bis Thun mit dem Schiff transportiert wurden. Die Renaissance-Kanzel mit den Intarsien im Kanzelhut schuf „Meister Caspar Zougg, der Tischmacher (Schreiner) zu Höchstetten“. Die beiden Glocken von David Zehnder aus Bern begleiten seit 1632 die Eggiwiler in Freud und Leid.

Die Kirche wurde durch die Jahrhunderte immer wieder renoviert und in Stand gehalten. So wurde im Jahre 1798 die Turmspitze neu aufgebaut und 1949 neben anderen Veränderungen die westliche Eingangshalle aus Holz durch einen steinernen Anbau ersetzt.

Quellen: 

Steiner, Walter: Kirche Eggiwil, Kirchgemeinde Eggiwil 1984
Steiner, Walter: Eggiwil - Röthenbach, (Berner Heimatbücher; 117) Bern: P. Haupt, 1984

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Eggiwil